Ein Bericht von Esther Blaser, Reiseteilnehmerin

RUMÄNIENREISE vom 15. – 24. September 2022

Osteuropäische, ehemals auch sowjetische Städte, folgen in ihrem Aufbau in der Regel demselben Muster: den Kern bildet die Altstadt, welche oft durch Renovationen etwas vom alten Glanz wieder erhalten hat. Der mittlere Kreis besteht aus endlosen, grauen Plattenbauten (in Rumänien von Ceausescu erstellt). Der äussere Kreis lässt sich mit Fabrikanlagen, immensen Lagerhallen, Einkaufszentren (immer wieder Lidl) beschreiben. Dies alles mit den allgegenwärtigen, grossen Parkplätzen versehen – gut und teuer bestückt.

So begann in diesem weitläufigen äusseren Kreis von Bukarest für die siebenköpfige Reisegruppe eine äusserst eindrückliche Zeit mit unvergesslichen Erlebnissen. Das beschriebene Städtebauschema sollte uns dabei immer wieder begegnen, wobei die besuchten Kleinstädte wie Sibiu, Sighisoara und Brasov ihre Innenstädte offensichtlich in alter, aber auch zeitgemässer Schönheit (verkehrsfreie Zonen mit vielen Restaurants) für Touristen attraktiv machen.

In diesem Zusammenhang meinte der Stadtführer von Hermannstadt: «Seid Botschafter für Rumänien. Erzählt von euren positiven Eindrücken und räumt mit den Vorurteilen auf.» Ein Hinweis, dem wir nach all den gemachten Erfahrungen gerne nachgekommen wird.

Nach den sehenswerten touristischen Zielen freuten sich die Teilnehmenden auf das «andere», weitläufige und wenig bekannte Rumänien. Doch bedarf vorher die Führung von Dan Ioan Ilica in der eindrucksvollen Wehranlage Harman (Honigberg) noch besonderer Erwähnung. Die geschichtsträchtige Anlage liegt am Übergang von der Ebene zu den Karpaten.  Die Hinweise, Erläuterungen und Erklärungen von Dan zogen die Anwesenden nicht nur in ihren Bann, sie vermittelten allen ein besseres geschichtliches Verständnis, einerseits für historischen Vorgänge, andererseits aber auch für die aktuellen geopolitischen Geschehnisse. Mit einem solchen Lehrer wären wohl alle Teilnehmende zu Geschichtsfreaks geworden.

Durch das grosse Netzwerk, welches Stephan Büchi, unserem fliessend Rumänisch sprechenden Reiseorganisator und Leiter zur Verfügung steht, wurden uns einmalige Erlebnisse zu Teil. Die vielen kurzen, aber tiefen menschlichen Begegnungen sind unvergesslich.

So wurde der Besuch bei einer Töpferfamilie, die uns ihr Können eindrücklich demonstrierte, mit einem Rundgang durch den paradiesisch anmutenden Garten abgeschlossen. Mit reisetauglichen Töpfereien und freigiebig geschenkten Früchten im Gepäck, bestiegen wir glücklich unseren Kleinbus.

Unvergesslich bleibt auch das Mittagessen bei der Biobäuerin Lavinia im sächsischen Dorf Meschen/Mosna. Jedes Gruppenmitglied wurde persönlich willkommen geheissen. Stephan informierte uns vor dem Besuch, dass Lavinia vor nicht allzu langer Zeit ihren Mann verloren hätte und, dass es ungewiss sei, ob der Betrieb unter diesen Umständen weitergeführt werden könne. Während wir das feine Essen genossen, erzählte Lavinia, dass sie gewillt sei, weiter zu machen. Dabei ergab sich ein sehr persönliches Gespräch, welches zeigte, dass die Anforderungen des Lebens an uns alle grundsätzlich dieselben sind.

Der Rahmen, das heisst die Lebensumstände, können selbstverständlich sehr unterschiedlich sein, wie uns unter anderem der Besuch in einem kleinen Frauenkloster aufzeigte. Obwohl in Rumänien offenbar immer wieder junge Menschen das Klosterleben wählen, trafen wir hier nur zwei Nonnen an. Die eine führte uns durch die relativ neue Anlage, die andere schlug an einem hängenden Holzbrett die Stunde. Wahrscheinlich standen beide schwarz gewandeten Frauen vorher ungewöhnlich lang in der Küche, wurden wir doch nach dem Rundgang mit dem traditionellen Mahl «Maisgugelhopf mit Käsehaube» und Salat reich bewirtet. Der 90jährige Pope, «Chef» des Klosters, sass mit wachem Blick und verschmitztem Lächeln bei uns am Tisch, wobei er eine kurze Willkommensrede hielt und nebenbei half, das Essen zu servieren und das Geschirr abzuräumen. Spätestens mit der Umarmung aller Besuchenden wurde er zum «Star» der Reisegruppe.

Bereits mit all den eindrücklichen Erlebnissen bereichert, bot uns die «Pensiune Valea Lupului» für die letzten vier Nächte eine willkommene Bleibe. Dieses sehr gepflegte Gästehaus wurde von Cornelia Fischer initiiert und finanziert. Es ist nur ein Beispiel der wichtigen und nachhaltigen Arbeit, welche Cornelia, neben dem Gründen und weiter Begleiten des Kinderheimes in Panatau seit vielen Jahren leistet.

Schon 2006 war Meluzina im Kinderheim Panatau als Erzieherin tätig, dies ist aus dem entsprechenden Jahresbericht zu ersehen. Heute, 16 Jahre später, ist sie die kompetente Geschäftsleiterin der Pensiune Valea Lupului. Mit ihrem Netzwerk ermöglichte Meluzina uns den erwähnten Besuch im Kloster, wie auch das Vorbeischauen bei zwei alten Frauen, welche uns sehr zuvorkommend ihre kargen, aber heimeligen Räumen aus vergangenen Zeiten zeigten. Auch hier war eine menschliche Wärme zu spüren, welche uns für die lange Reise mehr als entschädigte. Der abschliessende Besuch im weitläufigen Anwesen von Meluzina, wo uns im Garten rumänische Köstlichkeiten angeboten wurden, rundete das Thema «Gastfreundschaft und Wohnen in Rumänien gestern und heute» perfekt ab.

In den letzten vier Tagen wurde uns Panatau, ein Dorf in hügeligem, weitläufigem Grünen gelegen, vertraut. Selten noch rollt ein Pferdegespann durch die Strassen. Der Besitz eines Autos ist wohl der Wunsch Vieler. Die Distanzen sind gross, der öffentliche Verkehr ungenügend bis nicht vorhanden. Viel Obst und Gemüse wird von den Bewohner:innen selbst produziert, während im kleinen Dorfladen alles Nötige zu finden ist. Für uns wäre ein Umzug in diese Gegend ohne Zweifel sehr gewöhnungsbedürftig. Cornelia hat dies offensichtlich geschafft, wobei sich ihr Haus mit einladendem Garten als wohltuender Rückzugsort anbietet.

Das Kinderheim Panatau, ein Hauptziel unserer Reise, besticht bereits von der Strasse her als ein gut gewartetes Haus mit eben solcher Umgebung. Tagsüber besuchen die Kinder im Alter zwischen 8 und 15 Jahren die Schule. Drei Jugendliche verbringen die Arbeitswoche in Buzau. Die Betreuung nimmt vor allem während der schulfreien Zeit einen grossen Raum ein. Ein Arbeitsplan in der Küche zeigt auf, wer wann was an Hausarbeiten zu erledigen hat, wobei die Kinder aber auch lernen, mit der Freizeit um zu gehen.

Am Schlussabend zeigte sich, dass sich die Kinder gerne bewegen (z.B. Tanzen) aber auch Singen, wobei der Einfluss durch die Medien (Rappen) deutlich wurde. In dieser Hinsicht hielt sich unsere Gruppe eindeutig an alt Bekanntes und sang als Beitrag «es Bure Büebli mahn i nid». Es war wohl diese Aktivität, welche die Jüngste ermutigte, sich mit gestrecktem Arm vor mich hinzustellen. Am Zeigefinger hing ein kleiner weisser, mit blauen Tüpfchen verzierter Armring. Sie hatte meine Socken mit genau demselben Muster erspäht. Wollte sie damit sagen: «Auch wir beobachten euch» oder «eigentlich gehören wir doch irgendwie zusammen?» Beide Aussagen hätten ihre Berechtigung.

Nach all diesen Erfahrungen ist klar geworden, dass Cornelia mit dem langwierigen Aufbau des Kinderheimes, der Initiierung der Pensione Valea Lupulu, wie auch dem noch nicht erwähnten biologischen Gemüsegarten Amurtel, eine nicht genug zu schätzende nachhaltige Arbeit geleistet hat und immer noch leistet. Es wurden (und werden) dadurch viele Arbeitsplätze, auch für Jugendliche des Kinderheimes und vor allem für Frauen, geschaffen. Cornelia hat die Leitung der verschiedenen Betriebe geeigneten einheimischen Frauen übergeben. Sie ist aber immer noch als Ansprechperson verfügbar, eine ideale Situation.

Reiseangebot für unsere Spender:innen

Reise nach Rumänien

Wir möchten es Ihnen, liebe Spender und Spenderinnen, ermöglichen, vor Ort einen Eindruck über unsere Förderprojekte zu gewinnen und aus direkten Begegnungen mit den Kindern und Jugendlichen zu erfahren, was Sie mit Ihrer Spende bewirken. 

Daher freuen wir uns, Ihnen auch im nächsten Jahr 2023 wieder eine Rumänienreise anbieten zu können.

Detaillierte Informationen können Sie dem Reiseprogramm entnehmen. 

Bei Interesse bitten wir Sie, sich an uns über info@cf-hilfsfonds.ch zu wenden.

Cornelia Fischer Hilfsfonds

Chancen für vernachlässigte Kinder und Jugendliche in der Region Buzau, Rumänien

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